|
Venedig ist etwas Besonderes - eine Stadt zwischen Liebe und Tod, zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Prachtbauten und bröckeligen Fassaden. Wer diese Stadt besucht wird schlagartig zurückversetzt in die Vergangenheit, in die Zeit als Venedig noch die "Königin der Adria" war und rauschende Feste an der Tagesordnung. Man taucht ein in eine märchenhafte Stimmung - das Gurgeln des Wassers in den Kanälen, das Gurren der Tauben
- kein Autoverkehr, der die Klänge des Alltags verschluckt. Venedig ist nicht ohne Grund ein beliebtes Ziel für Frischverheiratete, denn diese Kulisse aus prächtigen Palästen, verschlungenen Kanälen und Hunderten von Brücken bietet Romantik pur. Die Lagunenstadt verdankt ihre einmalige und vielfältige Atmosphäre der jahrhundertewährenden Offenheit gegenüber fremden Einflüssen, seiner Toleranz und kosmopolitischen Haltung. Sie war ein
Schmelztiegel der Kulturen wie heute London, Paris oder New York. Venedig wurde im 5. Jh. von Flüchtlingen gegründet, die sich vor den Germanen auf den kleinen Inseln in Sicherheit brachten. Heute hat die Stadt ihr Fundament auf 118 kleinen Inseln und Millionen in den Meeresschlamm gerammten Holzpfählen. Rund 400 Brücken überspannen die 177 Kanäle, die die Stadt durchziehen. Venedig erlebte im Mittelalter eine stürmisch Entwicklung war für viele Jahrhunderte die
mächtigste Seerepublik der bekannten Welt. Durch Marco Polos Reise nach China erhielt es eine führende Position im Handel mit fernöstlichen Produkten wie Gewürzen und Seide. Die Händler erwirtschafteten einen ungeheuren Reichtum und noch heute sind die venezianische Kunst und Architektur Zeugen dieser glanzvollen Zeit. Die Lagunenstadt ist ein einzigartiges Kunst-Freilichtmuseum und ein besserer Einblick über die venezianische
Malerei lässt sich nirgendwo gewinnen. Alle großen Künstler wie Tintoretto, Giovanni BattistaTiépolo, Canaletto sind mit Hauptwerken vertreten und in den labyrinthisch verzweigten Gassen bezeugen 900 Paläste und 105 Kirchen die ruhmreiche Vergangenheit. Zu den ältesten Bauwerken zählt der im 13. Jh. entstandene Palast Fóndaco dei Turchi, in dem bereits Kaiser Friedrich III und auch der Gesandte Georg Fugger wohnten. Der im 17. Jh. erbaute Palazzo Pesaro zählt zu den prächtigsten
Barockfassaden der Stadt und beherbergt heute ein Museum für moderne Kunst und eine orientalische Abteilung.
Die bekanntesten, jedoch etwas außerhalb liegenden Villen sind die teilweise vom Star-Architekten Andrea Palladio geschaffenen "Villen des Veneto". Der venezianische Adel ließ sich auf dem Festland Tausende von Landsitzen errichten, von denen die berühmtesten auch der Öffentlichkeit zugänglich sind. Barocke Prunkbauten wie die
grandiose "Villa Pisani" zogen seit jeher die Mächtigen Europas an. Napoleon, russische Zaren, österreichische Kaiser, italienische Könige und auch Mussolini gaben sich die Klinke in die Hand.  Doch das Wahrzeichen Venedigs ist wohl der Markusplatz mit der Basilika die San Marco
mit ihren fünf orientalischen Kuppeln, dem Campanile mit einer herrlichen Aussicht über die Stadt, dem beeindruckenden Dogenpalast mit seinen wertvollen Gemälden und Hunderten von Tauben. Hier befindet sich auch die als Fotomotiv äußerst beliebte Seufzerbrücke, die früher den Dogenpalast mit dem Gefängnis verband. Die Hauptverkehrsader ist der Canale Grande mit einer Länge von 4km und die wichtigste Verbindung über den Kanal ist auch heute noch die Rialtobrücke. An beiden Ufern des
Kanals wetteiferten die wohlhabendsten Familien der Stadt um den Bau der prächtigsten Adelspaläste und bei einer Gondelfahrt kommt man bei all dem dargestellten Reichtum aus dem Staunen nicht mehr heraus.  Doch so schön die Stadt auch ist, in der ganzen Welt bekannt ist sie für ihren Karneval. Die Masken und
Venedig sind eng verbunden - bereits 1268 findet dieses Fest seine erste Erwähnung. Die ursprünglich Idee des Karnevals bestand darin, die gesellschaftlichen Hierarchien aufzuheben und durch die Anonymität der Verkleidung eine andere Identität einzunehmen. Die Venezianer fanden soviel Gefallen daran, dass sie sich gerne rund ums Jahr bei allen wichtigen Festivitäten und offiziellen Banketten in "tabarro e bauta" (Mantel und schwarzer Maske)
präsentierten. Heute verzaubert der venezianische Karneval mit seinen Kostümen, die in ihrer Pracht einmalig sind, alljährlich die Besucher. Er unterscheidet sich vom deutschen Karneval erheblich, die aufwendigen Kostüme orientieren sich an historischen Vorbildern und es finden auch keine Umzüge statt. In der Zeit vom 1. - 12. Februar 2002 wird Venedig wieder zur vollkommen irrealen Märchenwelt - maskierte Wesen in weiten Gewändern
huschen durch das Dunkeln und die Palazzi erstrahlen in ihrem vollen Glanz. Aus den hohen, mit Fresken verzierten Räumen schallt Musik und bei rauschenden Festen und faszinierenden Bällen lässt man die ruhmreiche Zeit der "Königin der Adria" wieder aufleben. nach oben
 |