| Europa hat fast eine Hauptstadt mehr: Edinburgh ist seit 1999 der Sitz eines eigenen schottischen Parlaments und nicht nur deswegen eine Reise wert. In unvergleichlicher Weise ist das Stadtbild durch die schottische Geschichte geprägt. Schon beim Verlassen des Hauptbahnhofs fällt der Blick zur Linken auf die Kulisse
der Altstadt mit hohen düsteren Gebäuden, deren Historien bis auf das 16. Jahrhundert zurückgehen. Eng geht es zu: Die steilen dunklen Seitengassen ("Closes") stimmen auf eine Zeitreise ein. Ein kleines Stück die Royal Mile hoch und schon steht man vor dem Castle, das der Stadt ihren Namen gegeben hat. Die ersten Spuren haben Bewohner
1000 Jahre vor Christus auf dem Hügel hinterlassen, das Castle datiert aus dem 12. Jahrhundert und verleiht der Stadt viel von ihrer dramatischen Schönheit. Von hier aus wurde Schottland schon einmal regiert, bis 1707, als es seine Unabhängigkeit endgültig an England verlor. Hier war auch jene unglücklich agierende Maria Stuart, Queen of Scots, (1542 - 1587) zuhause, entsprechend viele Legenden ranken um das Schloss. Durch liebevoll erhaltene Gassen geht es dann hinunter zum Grassmarket, wo
so manche Gaunerkarriere abrupt am Galgen endete. Erst vor 20 Jahren begann man mit der sanften Sanierung dieses Stadtbereichs, der lange in zweifelhaftem Ruf stand. Heute ist der Grassmarket mit seinen Bars, Pubs und kleinen Geschäften ein Muss auf dem Besuchsplan. Zurück auf der "königlichen Meile" geht es runter zum "Palace of Holyroodhouse". Erbaut 1498 steht es heute der Queen als Residenz zur Verfügung und wird auch genutzt. Schließlich ist ihr
Ehemann der Duke of Edinburgh. Von dem Palace ist der Weg nicht weit zu "Arthur's Seat", einer leicht erlaufbaren Felserhebung, die einen atem-beraubenden Blick über die Stadt erlaubt. Nicht selten auch, daß ein schottisches Paar sich hier laut das "Ja"-Wort gibt. Auf schottisch heißt das dann etwa "Uii" und nicht etwa "Yes". Doch anders als zum Beispiel in den Highlands ist der schottische Akzent in Edinburgh gut verständlich, der
Hafen hat schon immer für Weltoffenheit gesorgt. Den Bewohnern der Stadt (etwa 450.000) sagt man eine gewisse Überheblichkeit nach, Folge aus der uralten Rivalität mit Glasgow, das etwa 120 km westlich liegt und den Ruf einer bodenständigen Arbeiterstadt hat. Edinburgh dagegen ist neben London zweites Finanzzentrum Großbritanniens und hat weltweit einen erstklassigen Ruf in der Wissenschaft. Grund hierfür ist die 1583 gegründete Universität, die jüngst durch das
Klonen von Schafen Schlagzeilen gemacht hat. Weltberühmt ist das Internationale Edinburgh Festival, das im August und September stattfindet. Begleitet wird dieses offizielle Ereignis, das seit 1947 ausgerichtet wird, von anderen Festivals, zum Beispiel dem Jazz-Festival, dem Film-Festival, dem Bücher-Festival und besonders dem Festival Fringe, bei dem nicht weniger als 1000 Veranstaltungen zu bestaunen sind: Theater, Pantomime, Musik, Gaukler, Storytelling, Ballett; die Aufzählung wäre endlos.
Auch außerhalb dieser Festivalzeit locken viele Museen, Galerien und Sehenswürdigkeiten in diese so besondere Stadt. So zum Beispiel die nur einseitig bebaute Princes Street mit ihren Geschäften und dem "Scots Monument" oder der sich anschließende Stadtteil "New Town". Neu heißt hier, daß die Bauarbeiten im 18. Jahrhundert
abgeschlossen waren! Wunderschöne Fassaden im Georgianischen Stil, geplant am Reißbrett von Architekten wie James Craig und Robert Adams und konsequent umgesetzt, machen diesen Stadtteil heute zu einem begehrten Wohngebiet, an den sich das malerische Inverleith anschließt. In jedem Fall sollte man hier den Botanischen Garten gesehen haben. Das Palmenhaus ist das größte Großbritanniens und wurde 1858 gebaut. Edinburgh bietet eine weitere große Zahl von Sehenswürdigkeiten.
Vom Denkmal für einen Hund (Bobby's) bis zu der Eisenbahnbrücke über den Forth of Fifth, die 1890 nach Fertigstellung die größte Eisenbahnbrücke der Welt war. Diese Fülle an Sehenswertem, gepaart mit kultureller Intelligenz, schottischem Charme und souveräner Schönheit machen einen Besuch dieser Stadt zu einem unvergeßlichen Erlebnis. Und es gibt wohl niemanden, der
diese Stadt gesehen hat und den Schotten nicht wünschen würde, daß Edinburgh eines Tages eine ganz richtige Hauptstadt wird...
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