| Sie möchten nicht acht Stunden am Tag am Strand liegen, den ganzen Tag nichts tun und sich abends mit “landestypischer” Folklore beklimpern lassen? Dann sind Sie hier im Norden von Wales genau richtig. Wales hat nicht nur
die älteste Flagge der Welt (seit 1485 einen roten Drachen auf grün-weißem Font), sondern bietet auch mit seiner allgegenwärtigen Vergangenheit und seiner wunderschönen Landschaft eine Fülle von Angeboten für einen aktiven Urlaub. Von Wales weiß man hier in Deutschland in der Regel nur, daß es von einem kleinen, eigenwilligen Völkchen irgendwo im Süd-Westen von England bewohnt wird und daß Prinz Charles den Titel “Prince of Wales” trägt. Das mit der Eigenwilligkeit ist gar
nicht so verkehrt und wird einem unmittelbar vor Augen geführt, sobald man das Land betritt: Alle Straßenschilder, Speisekarten oder Prospekte sind zweisprachig - einmal in Englisch und dann in einer für deutsche (und englische) Zungen nahezu unaussprechlichen Sprache mit vielen “LL”, “DD” und “Y”. Nahezu 80% der Nord-Waliser lernen in der Schule “Welsh” als erste Sprache, erst dann kommt Englisch und Deutsch oder Französisch. Ein
Kuriosum am Rande: Der Ort mit dem längsten Namen der Welt liegt in Wales und lautet in der Landessprache: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch. Zur Verwurzelung der Sprache in der Bevölkerung hat eine sehr frühe Bibelübersetzung beigetragen (1520), denn die Leute sind hier von jeher sehr gläubig und wurden daher mit dieser Sprache groß.
Genauso eigenwillig wie die Sprache der Waliser ist auch ihre Landschaft: Geprägt durch
sanfte Hügel, schroffe, vom Schieferabbau gezeichnete Gipfel, schmale Gebirgsbäche, lange Strände und wunderschöne Täler laden Sie geradezu zum Entdecken ein. Es ist faszinierend, wenn man den engen, gewundenen Straßen folgt und sich nach jeder Kurve ein neuer, unerwarteter Anblick bietet. So unterschiedlich die Landschaft auch ist, eines sieht man überall im Lande: Schafe. Bei nur knapp drei Millionen Einwohnern hat Wales
über 12 Millionen Schafe und die kurzgefressenen, sanften Wiesen dominieren das Landschaftsbild. Am schönsten ist Wales im Frühjahr und Herbst, hier ist auch das Wetter oft am stabilsten und wenn es doch einmal regnen sollte, vertreibt ein kräftiger Wind die Wolken bald.
Möchte man Wales mit dem Flugzeug erreichen, fliegt man am besten nach Manchester oder Birmingham und übernimmt dort einen Mietwagen. Das Autofahren ist hier übrigens
erstaunlich stressfrei, die meisten Einheimischen fahren sehr defensiv und nach wenigen Kilometern im Mietwagen hat man sich an die Rechtssteuerung gewöhnt. Wenn man sich mit dem Auto durch das Land bewegt, sollte man die entsprechenden Hotels vorher reservieren, wir sind Ihnen bei der Auswahl gerne behilflich. Von günstigen, familiengeführten Pensionen, über normale Mittelklassehotels bis zu mondänen 5-Sterne-Hotels bietet Wales alles, was das Herz begehrt und der Geldbeutel erlaubt.
Während das mittlere Landesinnere von Wales eher unspektakulär ist, ballen sich die Sehenswürdigkeiten im Norden. Der lange Kampf der Waliser gegen die Engländer manifestiert sich in vielen Burgen und Festungen, die die englischen Eroberer errichtet haben, um das Land zu kontrollieren. Walisische Festungsanlagen sind eher selten, doch für den Besucher ist zunächst einmal Burg gleich Burg und so sollte man nicht versäumen, einige der schönsten zu besichtigen. Wegen ihrer exponierten Lage am Kopf einer Brücke gehört die Burg von Conwy zu einer der schönsten Anlagen. Errichtet wurde sie 1288 von König Edward dem Ersten in nur fünf Jahren Bauzeit. Wenn auch der innere Teil nur als Ruine zu bezeichnen ist, so hat sie sich doch ihr imposantes Äußeres bewahrt. Nicht weit von Conwy liegt Llandudno, eines jener viktorianischen
Seebäder, die sich ihren Charme bis heute erhalten haben. Neben schön restaurierten Prachtbauten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts erinnert besonders der weit ins Meer hinein reichende Pier an die vergangenen Zeiten. Nur wenige Meilen entfernt findet man “Bodnant Garden” einen der schönsten Gärten der Welt, angelegt auf einem hügeligen, etwa 35 Hektar großen Gelände, geplant um ein altes Herrenhaus. Mehrere Generationen hatten die
Gartenmeister Zeit um ihre Vorstellungen zu verwirklichen, das Amt wurde auf den jeweils ältesten Sohn weitervererbt. Überhaupt ist Wales ein kleines Paradies für Gartenfreunde, fast hundert Gärten in den verschiedensten Stilen -verstreut über ganz Wales - sind zu nennen. Das milde Klima kommt nicht nur Palmen und blühenden Pflanzen zugute, nein man hat sogar den Eindruck, daß das Gras hier grüner ist als im Rest der Welt.
Am nordwestlichsten Zipfel von Wales liegt die Insel Anglesey. Vom Festland ist sie nur durch eine schmale Meerenge getrennt und durch zwei große Brücken gut zu erreichen. Zur Zeit der industriellen Revolution hatte die Insel besondere Bedeutung, denn sie ist reich an Bodenschätzen und die hier betriebene Kupfermine galt in ihrer Zeit als die größte der Welt. In Beaumaris, am südlichen Ende der Insel,
ist eines der ältesten Pubs von ganz Groß-Britannien beheimatet, das “Olde Bull`s Head”. Es wurde ursprünglich 1472 erbaut und 1617 erneuert. Alle Räume sind nach Personen aus den Novellen von Charles Dickens benannt, der hier 1859 einige Zeit übernachtete, um überden Untergang der Royal Charter zu berichten. Die Atmosphäre in dem alten Pub ist einzigartig und das Essen, das in einem neueren Anbau serviert wird für englische Verhältnisse Spitzenklasse. Vom Fährhafen
Holyhead aus kann man von der Insel in nur 99 Minuten mit einer Katamaranfähre nach Irland übersetzen, das Schiff der Stena Line gilt als größte Schnellfähre der Welt. Direkt an der Meerenge, mit Blick auf das Festland von Wales liegt Plas Newydd, ein sehr schönes, nicht zu protziges Schloß. Besonders faszinierend ist die unüberschaubare Menge von Gemälden aus allen Zeitepochen. Beginnend mit Originalen von van Dyck (1599 - 1641)
und einigen seiner Schüler, über John Hoppner (1758 - 1810) bis hin zu Rex Whistler (1905 - 1944) kann man hier sehr schön die verschiedenen Stile der Jahrhunderte studieren. Oft sind die einzelnen Zeiträume in den alten britischen Herrenhäusern und Schlössern lückenloser dokumentiert als in manchem Museum. Zu einer Hinterlassenschaft der industriellen Revolution gehören in ganz Wales die Spuren
des Bergbaus. Neben Kohle und Kupfer wurde hier vor allen Dingen Schiefer in nennenswertem Umfang abgebaut und es kommt vor, daß man ein wunderschönes, grünes Tal verlässt und in einem dunklen Tal mit aufgerissenen Berghängen landet, die durch den Schiefertagbau entstanden sind. Zur Freude von Eisenbahnfreunden aus der ganzen Welt sind eine Vielzahl der damals zum Abbau benutzten Schmalspurbahnen erhalten und
sorgfältig restauriert worden. Viele kleinere Orte leisten sich noch heute den Betrieb einer kleinen Bahnlinie als Touristenattraktion und auch den Snowdonia-Nationalpark kann man streckenweise auf diese Art “erfahren”. Wales bietet mit allen seinen Besonderheiten ein Paradies für Besucher, die ihren Urlaub auf eine etwas andere Art gestalten möchten und fordert mit seiner wunderschönen Landschaft besonders Outdoor-Aktivitäten wie Wandern,
Fahrradfahren oder Rock-Climing hervor. Ein Urlaubsziel für alle, die nicht den ganzen Tag am Strand liegen möchten - ein Land zum “Erleben”! nach oben 
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